Sozialpraktikum in "Istok" (Irkutsk, Sibirien)

Zunächst war es eine Idee. Meine Eltern waren im Sommer 2006 in diesem Dorf für Seelenpflege-bedürftige Erwachsene nahe dem Baikalsee gewesen. Da meine Begeisterung für die russische Sprache den langen Zeitraum seit 1999 (bis dahin hatte ich Russisch in der Schule) überlebt hatte, gefiel mir die Idee immer besser.

Ich bekam sofort eine Zusage von Tatjana Kokina, die im Dorf Istok und in der Talismanschule für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Am Samstag, den 10. März 2007 ging es dann los. Ich konnte mich schnell in die Gemeinschaft des Dorfes einleben. Die Arbeit mit behinderten Menschen kannte ich ja schon von meinen Eltern. Die neue Herausforderung in diesem Praktikum war die Sprache.

Zu Anfang war es noch ziemlich kalt: Die Nächte mit Minusgraden im 20er Bereich und auch tagsüber hielt man sich doch lieber im warmen Haus auf. Mit den Wochen schmolz der Schnee und der Frühling kündigte sich mit dem ersten Regen seit 7-8 Monaten an. Es gab viel Arbeit in Stall und Gewächshaus und Streit mit den Kollegen: Nikolai Wassiliwitsch, der die Holzwerkstatt übernommen hatte, konnte sich doch nicht auf die Arbeit mit Behinderten einlassen. Er hat noch, wie viele Russen die Einstellung, dass das Leben dieser „defekten“ Menschen nicht lebenswert ist. Warum sollte er sich dann für sie Mühe geben? Kurz vor Ostern verließ er das Dorf.

Auch meine Zeit war zu Ostern abgelaufen. Aber jetzt schon nach Hause? Ich hatte zwar schon viel erlebt und eine Menge gelernt, aber das sollte auch noch weiter gehen. Hierzu brauchte ich aber ein neues russisches Visum und musste deshalb ausreisen. Das nächste Land dafür war die Mongolei. Das Visum bekam ich problemlos. Am 7. April konnte ich mit dem Zug nach Ulan-Bator fahren.

In der Hauptstadt wollte ich „schnell“ ein neues Visum für Russland bekommen … Letztendlich war ich knapp 2 Wochen im Land, eine davon in völliger Ungewissheit, ob ich es wohl je Richtung Russland wieder verlassen könnte. Gewohnt habe ich in „Temuujins Guesthouse“. Und das war wirklich Glück, denn ohne die Hilfe und Unterstützung von Temuujin und seiner Frau wäre ich wohl in Ulan-Bator stecken geblieben.

Als ich zurückkehrte gab es im Dorf immer noch Schwierigkeiten. Die Pumpe war noch kaputt, die Stimmung war angespannt.Das neue Haus „Bagulnik“ sollte nach und nach mit Möbeln ausgestattet werden. Wir hatten – noch vor meinem „Ausflug“ – ein Tischsystem entworfen und wollten jetzt mit der Umsetzung beginnen. Die erste Schwierigkeit, nämlich Holz dafür zu bekommen, war bald „gemeistert“. Doch das Holz, was uns als abgelagert und trocken übergeben wurde, war einfach nass. Deshalb konnte das Projekt nicht fertig gestellt werden, bevor ich wieder nach Deutschland musste.

Zwei Tage vor meiner Abreise schafften wir es auch noch zum Baikal-See zu kommen. Leider war in letzter Zeit die Saison der Waldbrände in vollem Gang, sodass die Luft und somit der Blick über den See entsprechend trüb war.

Im Rückblick kann ich sagen, dass sich alle Anstrengungen gelohnt haben. Ich hatte eine wirklich interessante Zeit und habe viel gelernt. Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben!

J. P. Haase

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