Forstpraktikum der 7. Klasse

Die 7. Klasse auf dem Forstpraktikum

Die 7. Klasse stand praktisch im Wald - zehn Tage lang und gründlich. Weitgehend abgeschnitten von allem, was den Rest der Welt in dieser Zeit bewegte. Während die wenige Jahre ältere Lena also in Oslo zur europäischen Songkönigin gekürt wurde, zog man im nordhessischen Rittershain ganz unglamourös mit Beil und Säge zu Feld. Warteten in der naturnahen Baumschule, im Aufbauwald und rund um das herrliche ehemalige Jagdschloss, in dem man (zumindestens die Mädchen) "residierte", doch genaue Aufgaben und kein beliebiger Beschäftigungsschnickschnack für unterforderte Jugendliche.

Ein Forstpraktikum in dem vor 36 Jahren von Stephan Schmidt gegründeten Pflanzenzuchtverein fordert von den Schülerinnen und Schülern viel, um ihnen auf Augenhöhe etwas Wichtiges, in gewisser Weise Lebenswichtiges zurückgeben zu können: Die ernsthafte Erfahrung, dass die Bewahrung der Natur die Aktivität jedes einzelnen erfordert. Konkret bedeutete der Aufenthalt in Rittershain für die Klasse, die für die Dauer der zehn Tage in drei feste Gruppen eingeteilt war und rotierend die Stationen Baumschule, Wald und Haus durchlief: Bäume fällen, entasten und zu Kleinholz verarbeiten, Äste zurückschneiden, Unkraut jäten, Stämme schälen für Weidezäune, Holz für die beiden Brennöfen im Schloss hacken, aber auch Tischdienst versehen, kochen und putzen unter dem liebevoll-strengen und von allen sehr geschätzten Regime Frau Schmidts. Ihr Stiefsohn René, Forstwissenschaftler wie sein Vater, erteilte vormittags theoretischen Unterricht mit dem deutlichen Ziel, möglichst jeden für die Bedeutung eines funktionierenden Wald-Ökosystems zu sensibilisieren. Eine Botschaft, die nicht nur in deutschen Schulklassen, sondern auch und vor allem in vielen forstwissenschaftlichen Vorhaben der Erde inzwischen angekommen ist. In diesen kooperativen Projekten macht man sich die in Rittershain gesammelten Erfahrungen mit der natürlichen Aufzucht widerstandsfähige Bäume zunutze, um auf eine ganz ursprüngliche Weise gegen zivilisationsbedingte Bodenerosionen und die Auswirkungen des Klimawandels anzukämpfen. Das unermüdliche Werben für die Idee und die praktische Verwirklichung der natürlichen Aufforstung ist vor allem mit der Person Stephan Schmidts verbunden, den gegenwärtig die Folgen einer schweren Erkrankung zum Kürzertreten zwingen, so dass es ihm nicht möglich war, der Klasse von seinem Lebensprojekt zu erzählen. Eine Leerstelle, die sich an verschiedenen Punkten, an denen die Jugendlichen einfach nicht den großen Zusammenhang zu spüren bekommen konnten, in den sie die Arbeit in Rittershain stellte, immer wieder bemerkbar machte. Auch wenn Stephan Schmidts Söhne René und Alex nach Kräften versuchten, den Vater zu vertreten. Trotz der schwierigen persönlichen Umstände war das Zusammenleben mit dem offenen, warmherzigen Schmidt-Familienclan  unter dem Dach des in Schönheit gealterten Schlosses unbeschwert und fröhlich. Die durchdachten Regeln funktionierten; zur Ruhe und Ordnung mussten die Schmidts eigentlich nie rufen. Neben dem sinnvollen Tun in der Natur stand ein Ausflugstag auf dem Programm, der auf die Wartburg, nach Eisenach und auf den Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich führte. Auch das, ebenso wie ein nächtlicher Spaziergang am Ende des Praktikums durch den nun schon viel vertrauteren Wald, waren Erlebnisse, die den meisten außerordentlich gut gefallen haben. Es waren schöne Tag in Rittershain. Und das Forstpraktikum dort ist jeder 7. Klasse unbedingt zu empfehlen.
(Antje Doßmann)

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